
Jeden Tag sehen wir zunächst was wir essen. Wir entscheiden, ob wir Messer und Gabel oder einen Löffel zur Hand nehmen und sind uns in der Regel bereits über die zu
erwartenden Geschmacksnuancen im Klaren, bevor der erste Bissen den Mund erreicht. Überraschungen erleben wir daher leider selten.
Um jeden Bissen wieder zu einem aufregenden Erlebnis sinnlichen Genusses zu machen und neue Herausforderungen für die routinierten vom Augenschein inspirierten Gaumen zu schaffen,
bieten wir einen Raum von absolut zappendusterer Dunkelheit, in dem unsere Gäste verstärkt hören, riechen und fühlen müssen, was sie gerade zum
Mund führen. Unerwartete Momente sinnlichen Hochgenusses stellen sich ein, wenn sich etwa der vermutete Pfifferling als blanchierte Tomate erweist.
Selbstverständlich wählen Sie Ihr Menü in unserem Empfangsraum in vollständiger Helligkeit aus. Allerdings nennt unsere Karte Ihnen nur das Grundmotiv der Gerichte. Sie wählen zwischen verschiedenen Fleischsorten, Fisch oder einem vegetarischen Menü. Zubereitungsart und Beilagen verschweigt die Karte bewusst, um die faszinierenden Geschmackserlebnisse und das Abenteuer des Erschmeckens nicht vorwegzunehmen.
Am Empfang weist man Ihnen einen unserer blinden oder stark sehbehinderten Kellner zu, der fortan Ihr individueller Begleiter und Ihre Ansprechperson in allen Angelegenheiten sein wird. Er führt Sie nun im Gänsemarsch in unseren zappendusteren Salon, wo Sie massive Tische und Stühle erwarten, die Ihnen ein sicheres Gefühl vermitteln. Selbstverständlich wird Ihr Kellner Ihnen alle offenen Fragen gern beantworten und bei der einen oder anderen kleinen Schwierigkeit hilfreich zur Seite stehen.
Nachdem Sie sich mit Ihrem Sitznachbarn, dem Gedeck und der absoluten Finsternis vertraut gemacht haben, stellen Sie sich bereits der ersten Herausforderung, indem Sie Ihr erstes Getränk
selbst aus der Flasche ins Glas füllen. Sie bemerken, wie schwierig es ist, die Füllhöhe des Glases ohne die gewohnte Hilfe der Augen zu bestimmen.
Und auch der erste Schluck wird Sie überraschen: Bislang unbemerkte Geschmacksnuancen treten hervor und irritieren den erwarteten Eindruck. Haben Sie tatsächlich das richtige Glas
erwischt oder kannten Sie bisher Ihr Lieblingsgetränk eben nur oberflächlich?
Beim Essen sind erneut ein wenig manuelles Geschick, vor allem aber ein gutes Schätzvermögen gefragt. Schneide ich vor oder hinter der Gabel, ist der Löffel bereits voll und
was führe ich eigentlich zum Mund?
Erschmecken Sie die ganze sinnliche Fülle Ihres Menüs und raten Sie gemeinsam mit Ihren Tischnachbarn, was Sie essen. Bald stellt sich heraus, wie unterschiedlich die Geschmäcker
tatsächlich sind: Selbst zum gleichen Menü werden sich so viele Meinungen wie Tischgäste bilden …
Sollten Sie zwischendurch den Wunsch nach einer Zigarette verspüren oder die (selbstverständlich vollständig beleuchtete) Toilette aufsuchen wollen, rufen Sie einfach den Vornamen Ihres persönlichen Kellners. Er wird Sie sicher an den gewünschten Ort und natürlich auch wieder zurück zum Tisch führen.
Nach einem aufregenden und sinnlich anregenden Erlebnis der besonderen Art verlassen Sie die zappendustere Atmosphäre und kehren in die vertraute beleuchtete Welt zurück.
Sie haben eine neue Form sinnlicher Wahrnehmung und kulinarischen Genusses kennengelernt und werden nicht nur die Alltagswelt, in der Sie sich jederzeit problemlos orientieren, sondern erst
recht die vertrauten Speisen fortan mit neuen Augen sehen und genießen können …
